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1. Taekwondo
1.1. Taekwondo - mehr als nur ein Sport Grundlage des Taekwondo ist die waffenlose Selbstverteidigung durch den Einsatz des eigenen Körpers. Im Gegensatz zu anderen Budo-Sportarten wird bei dieser Kampfkunst, bei der sowohl die Hände als auch die Füße eingesetzt werden, das Hauptaugenmerk auf die Fußtechniken gelegt. Die Bezeichnung Taekwondo setzt sich aus folgenden Worten zusammen: Tae Fuß (Einsatz von Fußtechniken/Kicks) Kwon Hand Faust (Einsatz von Handtechniken) Do Weg beschreibt die persönliche Entwicklung, die jeder echter Taekwondoka durchläuft, vom Weiß- zum Schwarzgurt, vom Schüler zum Meister. - Dabei geht es um mehr als nur sportliche Fortschritte. Wird Taekwondo richtig gelehrt und erlernt, wird es zur Charakterschule. Geduld, Respekt vor dem Gegenüber, Erkennen der eigenen Schwächen und Stärken, Selbstdisziplin sind nur einige Aspekte, mit denen sich der Sportler im Training auseinandersetzen muss. Zum Wesen des Taekwondo gehört es, dass man jedem Angriff ausweicht oder ihn abwehrt und anschließend den Angriff mit einer geeigneten Technik und der gebotenen Verhältnismäßigkeit kontert. - 1.2. Die Faszination dieser Kampfkunst Die Faszination dieser dynamischen Sportart kann sich kaum jemand entziehen, der einmal mit dem Training begonnen hat. Taekwondo ist eine individuelle Sportart, die zwar in der Gruppe trainiert wird, bei der aber der Einzelne den Grad seiner Leistungsfähigkeit selbst bestimmt. Jeder kann den Taekwondosport erlernen und bis ins hohe Alter betreiben. Dabei spielen Alter, Geschlecht oder körperliche Verfassung keine Rolle. Um Taekwondo über Jahre treu zu bleiben, darf der Spaß am Training nicht zu kurz kommen. Wer an sich selbst feststellt, dass er sich nach einem schweißtreibenden Training auf die nächste Übungsstunde freut, hat sein Herz an Taekwondo verloren. Für viele steht der Aspekt der Selbstverteidigung im Vordergrund für ihre Entscheidung, einen Taekwondokurs zu besuchen. Der traditionelle Gedanke der Selbstverteidigung spielt auch im heutigen Taekwondo eine Rolle. Das mit der steigenden Aggression in unserer Gesellschaft verbundene Schutzbedürfnis des Menschen wird durch Taekwondo als Form der waffenlosen Selbstverteidigung gestärkt. Die Psyche lernt, mit aggressiven Situationen umzugehen. Durch die bessere pysische Einschätzung von Notwehrsituationen im Alltag wird oft die Eskalation einer Situation vermieden. Taekwondo hilft dem Einzelnen durch das Heranführen an derartigen Situationen, Lösungsmöglichkeiten zu finden und fördert die körperliche und geistige Bewältigung von Problemen. Da beim Taekwondo bei allen Hand- und Fußtechniken ständig der Körpermittelpunkt verändert wird, ist ein hohes Maß an Koordination bei den Bewegungen unausweichlich. Durch eine speziell darauf ausgerichtete Gymnastik und durch ständiges Üben ist jeder nach relativ kurzer Zeit in der Lage, hohe Fußtechnik mit einem mehr oder weniger sicherem Stand auszuführen. Im Laufe der Zeit nimmt das körperliche Wohlbefinden zu und die Gelenkigkeit ungeahnte Ausmaße an, was wiederum das Selbstvertrauen fördert oder zumindest verstärkt. Wer die Taekwondotechniken erlernen will, muss eine gehörige Portion Ehrgeiz mitbringen und ein mindestens ebenso großes Maß an Beharrlichkeit. Wer sich auf die Schnelle ein paar Tipps für Straßenschlägereien besorgen will, wird bald dem Training enttäuscht fernbleiben. Schließlich geht es beim Taekwondo nicht darum, seinem Partner Schmerzen zu versetzen, sondern eine Technik so schnell, präzise und kraftvoll wie möglich auszuführen. Um dies zu erreichen, stehen einem allerdings sowohl der Trainer als auch die Sportfreunde hilfreich zur Seite. Hier greift das "Do", die persönliche Einstellung. Die wichtigsten Voraussetzungen bei Training und Wettkampf sind Fairneß und Respekt gegenüber dem Trainer und dem Übungspartner. Sobald diese Voraussetzungen nicht vorhanden sind oder gegen sie verstoßen wird, ist ein geordnetes Training nicht möglich. Vor allem Respekt vor seinem Trainingspartner zählt zu den elementarsten Grundsätzen für jeden Kampfsportler. Wer die Schwäche seines Partners oder seiner Partnerin ausnutzt und absichtlich eine Verletzung herbeiführt, hat beim Kampfsport nichts verloren! Im Ergebnis wird der ganze Körper beansprucht. Es werden Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Flexibilität von Körper und Geist gefördert. Damit ist Taekwondo hervorragend geeignet. Zivilisationsschäden wie Stress und Bewegungsarmut abzubauen. - 1.3. Gesellschaftlicher Stellenwert des Taekwondo Sozusagen als Nebeneffekt werden beim Taekwondo mehrere Fähigkeiten erlernt bzw. verfeinert, die man sich auf andere Weise nur mühsam aneignen kann. So ist Taekwondo bspw. neben der Verbesserung der Koordinationsfähigkeiten und der Bewegungsmotorik auch hervorragend dazu geeignet, die Konzentration, die körperliche Fitneß, das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl erheblich zu steigern. - 1.4. Taekwondo und Kinder Schon alleine wegen dieser positiven Aspekte ist Taekwondo besonders gut geeignet, die Entwicklung von Kindern in körperlicher und geistiger Hinsicht zu fördern. Es gibt aber auch noch andere Gründe, weshalb sich Taekwondo als eine Art Erziehungshilfe herauskristallisiert hat. Gerade für Kinder und Jugendliche sind das Miteinander im Verein, die erforderliche Rücksichtnahme auf den Trainingspartner und die notwendige Fairneß Möglichkeiten, Frustration und Aggression spielerisch abzubauen. Da die Farbe des Gürtels beim Taekwondosport ein äußeres Zeichen des Könnens symbolisiert, ist jedes Kind - und selbstverständlich auch jeder Jugendliche oder Erwachsene - bestrebt, an der nächsten Gürtelprüfung teilzunehmen. Um die Prüfung zu bestehen, lernen Kinder ganz schnell, dass man sein Ziel erreichen kann, wenn man sich dafür einsetzt. Viele Eltern können ein Lied davon singen, denn nicht selten werden vor Gürtelprüfung die Sesselgarnituren verschoben, damit das Kind im Wohnzimmer genug Platz zum Üben hat. - 1.5. Attraktive Vielseitigkeit Die beiden wichtigsten Disziplinen des Taekwondo sind Wettkampf und Formenlauf. In der DTU wird Vollkontakt Wettkampf nach dem WTF (World Taekwondo Federation)-Regeln betrieben. Der Vollkontakt-Wettkampf ist Olympische Disziplin. Wettkampftaekwondo ist schnell, technisch und taktisch anspruchsvoll und sehr spannend. Wettkampftaekwondo findet fast an jedem Wochenende mit größeren und kleineren Meisterschaften für Anfänger und Fortgeschrittene in verschiedenen Regionen Deutschlands statt. Wer also Spaß am Wettkampftraining hat, findet immer Gelegenheit, seine Fähigkeiten zu erproben. Formenlauf ist für jeden Taekwondoka Pflicht, der Gürtelprüfungen ablegen möchte. Für jede Prüfung muss eine neue Form (Poomse) erlernt werden. Die Formen sind eine feste Abfolge von Angriffs- und Verteidigungstechniken, die gegen einen imaginären Gegner ausgeführt werden. Formenlauf ist auch Wettkampfdisziplin und wird auf Turnieren betrieben. Bewertet werden dann z.B. die Exaktheit der Ausführung, der Ausdruck und die Dynamik der Bewegungen. Daneben gibt es folgende weitere Sparten: In der Grundschule wird trainiert, die Basistechniken korrekt und effektiv auszuführen. Mit dem Schrittkampf werden die in der Grundschule erlernten Techniken sinnvoll zur Abwehr eines Angriffs kombiniert. Beim Bruchtest wird die Durchschlagkraft der erlernten Techniken erprobt. Bei der Selbstverteidigung übt man Methoden, sich gegen konkrete Angriffe zur Wehr zu setzen.
Die Ursprünge des Taekwondo liegen in der historischen Frühgeschichte Koreas, das sich vor ca. 2.000 Jahren aus dem Königreichen Koguryo, Paekche und Silla zusammensetzte. Diese drei Dynastien schlossen sich zusammen, um ihr Land gegen Eindringlinge zu verteidigen. Eindringlinge aus China fielen schon vor unserer Zeitrechnung über Korea her. Die Vereinigung dauerte bis 668 n. Chr. Nachdem die Könige von Silla im Jahre 600 n. Chr. erst Paekche und 668 n. Chr. mit Hilfe des Feindes Chinas auch Koguryo besiegten, besaß Silla die Alleinherrschaft und man kann von diesem Zeitpunkt an von der Nation "Korea" sprechen. Schon Wandgemälde aus der Koguryo-Dynastie zeigen Kämpfer beim Ausführen von Kampftechniken, die noch heute gebräuchlich sind. Während seiner langen Geschichte nahm Taekwondo verschiedene Elemente der koreanischen Kultur auf. Vor allem Buddhistische und Taoistische Einflüsse - geistige Konzentration, Meditation, Respekt vor dem Meister oder älteren Schülern...-sind bis heute wirksam. Überlieferungen zufolge übten sich die Soldaten der damaligen Zeit in der waffenlosen Kampfkunst, dem sogenannten Subak, einer spielerischen Art des unbewaffneten Kampfes, das auch in der einfachen Bevölkerung regen Zuspruch fand. Das Hauptaugenmerk wurde hierbei jedoch nicht so sehr auf die Kampftechnik gelegt, sondern diente vielmehr dem gesundheitlichen Aspekt, der Körperertüchtigung und natürlich auch der Selbstverteidigung. Im Gegensatz zum damals auch in Europa betriebenen Zweikampf war aber beim Subak nicht nur der Einsatz der Fäuste erlaubt, sondern auch alle anderen Körperpartien, wie beispielsweise das Knie. Im Laufe er Zeit entwickelten sich immer akrobatischere Techniken, die mit den Füßen, Ellebogen und Händen ausgeführt wurden. Im Jahre 630 n. Chr. wurde im Königreich Silla die Organisation Hwa Rang gegründet. Um die drei Königreiche zu vereinigen, brauchte man eine schlagkräftige Truppe. Aus diesem Grunde widmeten sich die Ritter aus Silla dem Studium der Kampfkünste, um sowohl ihren Körper als auch ihren Geist zu trainieren. Dem Samguk-Yusa zufolge, einem koreanischem Geschichtsdokument, soll es sich bei diesen Kampfkünsten im die Grundformen des heutigen Taekwondo gehandelt haben. Aus allen bekannten und von Generation zu Generation überlieferten Techniken entwickelte sich bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts das Taekyon, dem Vorläufer des heutigen modernen Taekwondo, bei dem das Hauptaugenmerk auf die Fußkampftechniken gelegt wurde. Im 18. Jahrhundert gab es erste Lehrbücher, wodurch das Kämpfen ohne Waffen weite Verbreitung fand. Von 1909 bis 1945, also während der japanischen Besatzungszeit, wurde die Ausübung aller koreanischen Kampfkünste verboten. Viele Koreaner trainierten deshalb heimlich. So wurde Taekwondo zum wichtigen Bestandteil der koreanischen Identität. Bereits ein Jahr nach der Befreiung gab es die ersten Versammlungen der größten Kampfsportschulen, bei denen versucht wurde, alle Kampfstile zu vereinen. Nach dem zweiten Weltkrieg und der Teilung in Nord- und Südkorea, begann auch für Taekwondo ein geteiltes Zeitalter. In Nordkorea entwickelte sich unter General Choi Hong Hi das ITF (International Taekwondo Federation) System, in Südkorea unter Kim Un-Yong das WTF (World Taekwondo Federation) Taekwondo. Im April 1955 einigten sich die führenden Kampfsportexperten auf den Namen Taekwon-Do. 1971 wurde Taekwondo in Korea als Nationalsportart anerkannt und 1973 wurde die WTF offiziell gegründet. Im Mai 1973 wurde in der Sportarena des Kukkiwon, dem Taekwondozentrum der World Taekwondo Federation (WTF), die erste offizielle Weltmeisterschaft der Herren ausgetragen. Seit dieser Zeit werden diese im zweijährigen Rhythmus wiederholt. Seit 1979 gehen auch Frauen bei Weltmeisterschaften an den Start. Am 20.6.1981 wurde die Deutsche Taekwondo Union (DTU) gegründet. Wurde bisher nur Wettkampftaekwondo auf Weltebene ausgetragen, so wird 2006 auch die erste lange erwartete Weltmeisterschaft Formen stattfinden.
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